Ó 2000, Michael Nentwig

Speedskating-Techniken

"...wo nahmen diese Leute ihre Schnelligkeit eigentlich her, man hört ja fast gar nichts, nur ein feines Zischen, einen hellklingenden Ton. (...) Hier beginnt die Kunst, und selbst bei Veranlagung ist es nicht leicht, sie zu erlernen." (Berliner Eislauf-Verein 1886, 1925, S. 195)

Diese Worte aus dem Jahr 1925 bringen nicht nur die Faszination der Bewegung zum Ausdruck, sondern sie illustrieren gleichzeitig auch die Komplexität der Bewegung. Es gibt eine ganze Reihe von Untersuchungen zur Effektivität der Skatetechnik. Aufgrund individueller anatomischer und physiologischer Unterschiede wird es jedoch unmöglich sein, eine Bewegungsbild zu entwerfen, daß für alle Läufer am effektivsten ist. Doch selbst für einen "standardisierten Fahrer" ist nach Voronov et al. (1995, S. 154) noch keine "most effective technique" entwickelt worden.

Im Folgenden werden die Bewegungen der klassischen Technik und des Double Push in sogenannte "Funktionsphasen" geliedert, bei denen jeder zeitlich beobachtbaren Bewegung immer eine Funktion für das Bewegungsziel zugeordnet wird. Grundlage der folgenden Untersuchung sind die Beschreibungen einer "optimalen Technik" aus den beiden lehrenden Werken "The Complete Handbook of Speed Skating" von der Olympiasiegerin D. Holum (1984) und "Speed on Skates" von dem kanadischen Eis- und Rollschnelläufer Barry Publow (1999). Es ist jedoch nicht sinnvoll im Text gleich zum Double Push zu springen, da man die dortige Beschreibung sonst nur schwer verstehen kann.

Die Bezeichnungen "rechts" und "links" beziehen sich übrigens im Folgenden immer auf die Sichtweise des Betrachters.

Die klassische Technik

Phase 1:

Körperschwerpunkt (KSP): Der KSP fällt passiv vom Stütz über dem linken Bein entgegen dem Abdruck nach rechts. Durch die gleichzeitige Beinstreckung wird er jedoch frontal nicht sichtbar abgesenkt. Er entfernt sich von der Stützfläche.

Linkes Bein: Der linke Skate steht plan auf dem Boden. Das Kniegelenk des Beines (zZ. Gleitbein) ist 110°-120° gebeugt (vgl. Publow, 1999, S. 7). Hüftgelenk und Sprunggelenk sind (abhängig von der individuellen Anatomie) so weit gebeugt, daß sich der KPS in der Sagitalebene zwischen der Mitte und dem hinteren Drittel der Fußsohle (ebd.., S.8) befindet. In der Frontalebene befindet er sich über dem Gleitbein. Nun wandert der Oberkörper und damit der KSP nach rechts, wobei nur der linke Fuß Bodenkontakt hat. Mit zunehmendem Fall erhöht sich der Abdruck auf diesem (linken) Fuß.

Rechtes Bein: Der Oberschenkel des rechten Beines ist senkrecht zum Boden. Der Skate schwebt dicht über dem Boden. Nun beginnt eine Beugung des Hüftgelenkes und hebt den Oberschenkel so weit nach vorne an, daß die Knie nebeneinander sind. Der Zwischenraum zwischen den Knien ist so klein wie möglich. Der Unterschenkel folgt der Bewegung des Oberschenkels nach vorne. Das Kniegelenk streckt sich dabei leicht. Der rechte Skate wird frontal so dicht wie möglich beim linken Fuß auf der Außenkante   und möglichst in Fahrtrichtung aufgesetzt. Von der Seite gesehen, setzt er zu 3/4 einer Skatelänge vor dem anderen auf. Der Bodenkontakt erfolgt dadurch auf der hinteren Hälfte der Rollen.

 

Abbildung 2: sagitale Körperansicht beim Rollschnellauf (vgl. Publow, 1999, S. 45)

 

Funktion: Durch die KSP-Verlagerung wird der Skate auf die Innenseite der Rollen gekippt und somit ein Abdruck ermöglicht. Außerdem wird ein Energiegewinn durch die Fallbewegung erreicht.

Die Körperposition sichert eine aerodynamische Haltung und eine große Reichweite des Abdruckbeines nach außen. Weiterhin haben die Rollen in dieser Position optimale Rolleigenschaften auf dem Boden. Das Aufsetzten des Skates verhindert den Fall des Skaters, der sonst durch die KSP-Verlagerung unweigerlich eintreten würde.

Der geringe seitliche Abstand der Skates beim Aufsetzen vergrößert den nachfolgenden Abdruck (vgl. Holum, 1984, S. 41). Das "Nachvornesetzen" ist ein Raumgewinn nach vorne und bringt den Skate richtig unter den KSP, damit die Rollen beim anschließenden Gleiten wieder optimal belastet wird. Wird die Schiene nicht in Fahrtrichtung aufgesetzt, würde sich die "Realdistanz" unnötig vergrößern, weil man unnötige Schlangelinien fahren würde.

Durch den größeren Kniewinkel als beim Eisschnellauf wird die Bewegungsamplitute verringert. Die Schrittfrequenz kann jedoch erhöht werden. Der Inline-Skater kann somit besser auf äußere Faktoren, wie Gegner und Untergrund, reagieren (vgl. Publow, 1999, S. 22.). Eine große Amplitude wie beim Eisschnellauf würde außerdem zu Kollisionen mit den Gegnern führen. Außerdem nimmt die Traktion der Rollen drastisch ab, je weiter sich der Skate vom KSP entfernt. Eine größere seitliche Bewegungsamplitude würde daher einen unnötigen Energieverlust bedeuten. Der geringere Kniewinkel gewährleistet außerdem für eine bessere Durchblutung der Oberschenkel.

Phase 2:

KSP: Der KSP wandert weiter nach rechts und entfernt sich bis zu 16 cm von der Stützfläche. Sagital liegt er während des Abdrucks bis zu 25cm vor dem Sprunggelenk.

Linkes Bein: Nach der Druckaufnahme in Phase 1 geht der Abdruck des Skates nun aktiv über alle Rollen direkt zur Seite. Der Winkel des Skates zur mittleren Fahrtrichtung sollte unter 45% liegen. Der Schwerpunkt der Kraftentwicklung liegt im ersten Drittel der gesamten Seitwärtsbewegung. Zum Ende des Abdruckes wird der Skates durch eine leichte Beugung des Sprunggelenkes und Druck auf die Ferse nach innen gedreht. E. Matzger spricht hier vom "carven" . Der Winkel des Skates zur mittleren Fahrtrichtung geht dabei gegen 0°. Noch einmal: der Abdruck geht im letzten Moment über die Ferse und nicht über die Spitze!

Abbildung 4: der Abdruck geht bei erhöhter Geschwindigkeit zur Seite (vgl. Holum, 1984, S. 38)

Rechtes Bein: Der Gleitskate befindet sich leicht innerhalb vom KSP. Er gleitet auf der Außenkante. Er wird mit zunehmendem Abdruck des linken Beines immer mehr zum Standbein.

Funktion: Dies ist die Phase der größten Beschleunigung. Die Traktion der Rollen nimmt ab, je weiter sich der Skate vom KSP entfernt. Der seitliche und frühe Abdruck über alle Rollen sichert daher eine optimale Kraftübertragung und bringt bei erhöhter Geschwindigkeit den meisten Vorschub. Die mittige Belastung sichert einerseits eine gute Kraftverteilung über alle Rollen und anderseits verhindert sie einen "Spitzenabstoß", bei dem die vordere Rolle(n) stark belastet und damit bremsen würden. Außerdem würde ein Abdruck über die vordere Rolle den KSP als Ausgleich zu weit nach vorne über das Gleitbein bringen und somit auch das Gleitbein nicht optimal belasten. Das Gleiten auf der Außenkante sichert das Gleichgewicht des Skaters. Das ausgestellte Abdruckbein bildet das Gegengewicht zum verlagerten KSP.  Der Winkel zu mittleren Fahrtrichtung minimiert die seitlichen Energieverluste. Die "carvende" Bewegung verlängert den Abdruckweg und führt zu einer besseren Energieumsetzung, da die seitwärts gerichtete Energie gegen null geht (vgl. P.J.Baum).

Phase 3:

KSP: Der KSP wird nach links zurück senkrecht über die neue Stützfläche verlagert.

Linkes Bein: Aus der (fast) kompletten Streckung und Abduktion (Abspreitzung) wird das Bein durch eine Adduktion (Heranziehen) des Oberschenkels zurückgeführt. Das Knie wird leicht gebeugt, der Skate knapp über dem Boden zurückgeführt. Der Oberschenkel wird gerade zurückgeführt, so daß am Ende der Adduktion das Knie zum Boden zeigt und der Oberschenkel wieder senkrecht ist.

Rechtes Bein: In gleichem Maße wie das linke Bein zurückgeführt wird und sich der KSP wieder nach links bewegt, kippt der Skate von der Außenkante wieder auf die Spitze der Rollen. Das Bein streckt sich ein wenig.

Funktion: Die Adduktion bringt den Skate wieder unter den Körper des Skaters und die Beugung des Kniegelenkes verhindert den Bodenkontakt. Der Skate wird niedrig geführt, um ein Absenken des Oberkörpers nach vorne als Ausgleichsbewegung zu verhindern. Durch ein solche Ausgleichsbewegung würde der Gleitskate zu weit vorne belastet. Während der Rückführung hat das Bein Gelegenheit sich zu regenerieren.

 

Der "Double Push"

Der Begriff "Double Push" hat sich in den letzten Jahren für eine Technik durchgesetzt, mit der der Amerikaner Chad Hedrick erstmals 1993 bei den Nordamerikanischen Juniorenmeisterschaften dominierte. Ob er diese Technik in der elterlichen Rollschuhhalle selbst erfunden hat, oder ob sie schon länger, z.B. von Holländern im Regen, gefahren wurde, soll offen bleiben. Jedoch erst seine Erfolge machten die Technik populär. Bei den Weltmeisterschaften 1994 in Frankreich deklassierte Hedrick die anderen Athleten derartig, daß viele Trainer und Fahrer ihre Technik umstellten. Schon 1995 bei den Pan American Games in Argentinien hatten viele Skater die Technik adaptiert. Die Technik wird zu diesem Zeitpunkt "The Chad" genannt. Heute haben fast alle Weltklasse-Skater ihre Technik auf den Double Push umgestellt, dennoch ist Hedrick immer noch der dominierende Fahrer.

Der kanadische Trainer und Skater Barry Publow (1999) widmete sich schon sehr früh der neuen Technik und entwickelte neben einer guten Technikbeschreibung auch eine methodische Reihe zum Erlernen des "Double Push". Als Grundlage der folgenden Analyse dient daher sein Buch "Speed on Skates" und "Richtig Fitness-Skating" von Hoos und Baumgartner (2000).

Die Fotos von Chad Hedrick in diesem Abschnitt stammen aus dem Video von K. Hendrikse.

 

Phase 1:

Abbildung 5: Phase 1 beim Double Push

KSP: Der KSP "fällt" vom Stütz über dem linken Bein entgegen dem Abdruck nach rechts. Er entfernt sich von der linken Stützfläche über die neu entstehende rechte Stützfläche.

Linkes Bein: Wie in der klassischen Technik oben.

Rechtes Bein: Der Unterschenkel des rechten Beines ist senkrecht zum Boden. Der Skate schwebt dicht über dem Boden. Durch eine Abduktion des Hüftgelenkes während des "Falls" bleibt der Skate unter der rechten Schulter. Der Skate wird unter dieser Schulter auf der Spitze der Rollen, also plan, aufgesetzt. Der Skate weist leicht nach innen. Das linke Bein hat in diesem Moment schon ca. 90% seines Weges zurückgelegt.

 

Abbildung 6: Chad Hedrick (Phase 1)

Funktion: Der seitliche Aufsatz des Beines bildet eine neue Stützfläche und ermöglicht einen zweiten Abdruck, bzw. bereitet diesen vor.

Phase 2:

Abbildung 7: Phase 2 beim Double Push

 

KSP: Der KSP wandert weiter zur rechten Seite. Er wird dabei aktiv zur Seite oder nach oben gestreckt. Dabei überquert er die neue Standfläche des rechten Beines. Es kommt zu einem zweiten, aktiven "Fall".

Linkes Bein: Das linke Bein drückt sich auf der Innenseite der Rollen wie in der klassischen Technik ab. Mit dem zweiten "Fall" wird das Bein wie in der klassischen Technik zurückgeführt.

 

Abbildung 8: Videoframe: Chad Hedrick (Phase 2)

Rechtes Bein: Der Skate bewegt sich auf der Außenkante der Rollen nach innen, also in die selbe Abdruckrichtung wie das linke Bein. In Abhängigkeit davon, wie weit rechts der Skate vom KSP aufgesetzt wurde, ist diese Bewegung bis zum Kreuzen des Skates mit der KSP-Linie ausschließlich eine Adduktion (Heranziehen) im Hüftgelenk. Mit dem dann zunehmendem zweiten "Fall" des KSP wird diese Adduktion jedoch von einer Streckung aller drei Beingelenke abgelöst. Der Skate wird hierbei leicht nach vorne gestreckt. Die Rollen laufen zunehmend auf der Außenkante. Der Skate befindet sich nun deutlich innerhalb (links) der Körperschwerpunktlinie zum Boden. Wie weit der Skate nach links geht, ist abhängig von der Geschwindigkeit und dem individuellen Fahrstil. Wie das linke Bein, so "carvt" (Matzger, 1998b) am Ende dieser Seitwärtsbewegung auch dieser Fuß um die Ferse herum wieder nach innen.

Funktion: Die aktive Oberkörperbewegung erzeugt Vortrieb, da sie die Beinstreckung unterstützt. Das linke Bein drückt sich ab und liefert damit Vortrieb. Beim Rückführen dient es der Balance. Das rechte Bein liefert durch die Streckung und die Adduktion neuen Vortrieb. Dabei sichert das Vorstrecken des Skates eine korrekte Belastung auf die Mitte bis den hinteren Teil des Skates. Die Carvingbewegung des rechten Beines nutzt die Seitwärtsenergie (vgl. P.J.Baum) und lenkt außerdem den Fuß wieder nach innen. Sie leitet die Umkehr des Körperschwerpunktes ein.

2.4.4.2. Phase 3:

Abbildung 9: Phase 3 beim Double Push

 

KSP: Der KSP wandert wieder nach links über die Stützfläche des rechten Beines.

Linkes Bein: Durch die Position des rechten Beines fällt das linke Bein in seiner neutralen, senkrechten Position. Diese ist in diesem Moment hinter dem anderen.

 

Abbildung 10: Videoframe: Chad Hedrick (Phase 3)

Rechtes Bein: Der rechte Skate "carvt" im Moment der weitesten Auslenkung nach innen wieder nach außen. Er wird durch eine Abduktion (hier ist die geringe Bewegung des Beines nach Außen gemeint!) wieder in die neutrale Stellung gezogen. Die Rollen laufen dabei von der Außenkante auf die Spitze. Der Kniewinkel verringert sich wieder.

Funktion: Verlängerter Abdruckweg des rechten Beines. Vorbereitung des folgenden Abdruckes nach außen. Das rechte Bein dient zu einem der Erzeugung von Vortrieb, und zum anderen ist seine Bewegung eine Konterbewegung zur Bewegungsrichtungsänderung des KSP. Der Kniewinkel verringert sich wieder, um in eine gute Ausgangsposition für den anschließenden "klassischen" Abdruck zu kommen.

Abbildung 26: Bewegung des rechten Skates  (P.J.Baum)

 

Vorteile des Double Push

Im Gegensatz zur klassischen Technik erlaubt der Double Push viele verschiedene Stile der einzelnen Skater. Besonders die Amplitude des zusätzlichen Abdruckes variiert stark. P.J.Baum spricht sogar von einem "continuum of skating styles".

Dennoch haben alle Varianten entscheidende, gemeinsame Vorteile gegenüber der klassischen Technik:

- verlängerter Abdruckweg (vgl. Publow, 1999, S. 36.): je länger der Abdruckweg ist, desto mehr Vortrieb kann erzeugt werden. Der Abdruckweg nach außen ist durch die vorangegangene Bewegung nach Innen um genau diese verlängert.

- Ausnutzen des Dehnungsreflexes: durch die Adduktion des Beines bei der Bewegung nach innen werden die Abduktoren gedehnt. Durch die damit verbundene Vorinnervation und den "Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus"  kommt es "zu einer schnelleren und höheren Kraftentwicklung" in den ersten 300 ms der anschließenden Abduktion. Walshe, Wilson und Ettema (1998) stellen fest:

"...a significantly greater muscular performance for the first 300ms of the concentric phase"(S. 101),

ohne nachweisbaren metabolischen Mehraufwand. Roth und Willimczik (1999) sprechen in diesem Zusammenhang von einer höheren "Anfangskraft" (vgl. S. 56ff).

- Bewegungsmoment: Die klassische Technik beginnt ihren Abdruck aus einer statischen Position heraus. Beim Double Push ist das Bein schon in Bewegung, wenn es die selbe Position erreicht und von dort den Abdruck nach außen beginnt. Diese Ausnutzung des Bewegungsmomentes spart Energie. (vgl. Publow, 1996a)

- Variable Technik: Ein Skater mit der klassischen Technik kann sich nur durch Schrittfrequenz und Körperwinkel an die äußeren Situationen anpassen. Der Double Push bietet durch die veränderbare Amplitude der zusätzlichen Bewegung nach innen eine dritte Möglichkeit.

- Gleichbleibende Geschwindigkeit: Bei der klassischen Technik nimmt die Geschwindigkeit während der Gleitphase ab, um dann wieder während des Abdruckes zuzunehmen. Da beim Double Push die Gleitphase fast gänzlich entfällt, ist die Geschwindigkeit fast konstant. Diese geringeren Schwankungen in der Geschwindigkeit sparen Energie (vgl. Publow, 1999, S. 38).

- Dreifache Entlastung der Muskulatur: In der klassischen Technik kann ein längerer Abdruckweg und damit eine höhere Geschwindigkeit nur durch einen kleinen Kniewinkel erzeugt werden. Dies behindert jedoch die Durchblutung der Muskulatur (vgl. van Ingen Schenau et al., 1983a, S. 350ff). Beim Double Push ist der Abdruckweg jedoch schon durch die Bewegung nach innen verlängert (s.o.), ohne daß dafür das Knie weiter gebeugt werden muß. Zweitens ermüdet die statische Gleitphase der klassischen Technik die Muskulatur (vgl. Kahn & Monod, 1989, S. 839ff). Diese entfällt beim Double Push. Zum dritten wird der Vortrieb beim Double Push auch durch die Bewegung nach innen erzeugt. Hierbei sind Muskeln beteiligt, die für die klassische Technik nicht gebraucht werden. Bei gleicher Geschwindigkeit wird beim Double Push die Muskulatur weniger beansprucht. Somit erfüllt der Double Push gleich beide Forderungen von Kahn und Monod (1989)

"... two ways of delaying the onset of fatigue linked to the static constraint: either by decreasing the force to be maintained during a given time, or by reducing the maintenance time for a given force." (S. 841)

Diese Faktoren verringern bei gleicher Antriebsleistung die Laktatakkumulation und ermöglichen so ein höheres Durchschnittstempo.

- Optimaler Kniewinkel: Mit der klassischen Technik ist eine Steigerung der Geschwindigkeit nur durch einen kleineren Kniewinkel oder Erhöhung der Schrittfrequenz möglich. Van Ingen Schenau (1983a, S.343ff) zeigt jedoch in seiner Untersuchung, daß ein geringerer Kniewinkel durch die daraus resultierende schlechtere Durchblutung und deren Folgen unökonomisch ist. So skaten auch Eisschnelläufer mit größerem Kniewinkel, wenn die Distanz größer wird (ebd.. S. 350). Er fordert zur Leistungssteigerung bei der klassischen Technik die Erhöhung der Frequenz. Der Double Push bietet jedoch eine weitere Möglichkeit der Leistungssteigerung.

Publow sieht den größten Vorteil darin, daß die klassische Gleitphase durch einen zweiten, aktiven, Vortrieb erzeugenden Bewegungsabschnitt ersetzt wird.

Durch den möglichen, höheren Kniewinkel beim Double-Push ist der Windwiderstand erhöht. Da die meiste Zeit in einem Straßenrennen jedoch im Windschatten gefahren wird ist dieser Nachteil zu vernachlässigen. Außerdem bleibt dabei offen, ob nicht auch der Double-Push mit einem kleineren Kniewinkel gefahren werden kann.

Gute DP Videos findet man hier.

Ó 2000, Michael Nentwig

die fehlenden Literaturangaben werden auf Anfrage gerne vervollständigt.

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